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348. Die Wahlen oder Venetianer im Erzgebirge.

(Lehmann, Hist. Schauplatz ec., S. 197 ec. und 250. Schurig, Beiträge zur Geschichte des Bergbaues im sächs. Vogtlande, 1875, S. 36 ec. Gräße, Sagenschatz d. K. Sachsen, No. 256. Documenta oder alte Uhrkunden und Nachrichtigungen, wo hin und wieder im Römischen Reiche Gold- und Silber-Ertze, Goldkörner ec. zu finden sein sollen. Abteilung in Dr. David Kellner, Schola metallurgica. Nordhausen, 1702. Fr. Bernau in der Comotovia, 4. Jahrgang, 1878, S. 108.)


Von meißnischen Goldseifen im Ober-Erzgebirge schreibt Mathesius, dass dieselben den Welschen und Fremden viel besser bekannt, als den Inwohnern selbst. Das Wasch- und ledig Gold, das in Flüssen und Forellenbächen wächst, wird oft von Felsen und Gängen abgerissen oder von Grus und Dammerde ausgewaschen und vom Gebirge erledigt, es ist das edelste und reinste Gold, dem Kronengolde gleich gehalten und ist ein Quentlein mit 38 Groschen bezahlt worden. Solche Goldkörner, Flietschen und „Flämmigen“ sind an Farbe und Gestalt nicht einerlei, etliche sind rot wie rostig Eisen, andere grau, etliche rau und blaufarbicht, etliche wie Pech, andere dunkel und durchsichtig wie die Granaten, etliche mild und mürbe, andere zerspringen im Schlag wie Glas, etliche sind viereckig, etliche groß wie

die Erbsen und Bohnen, andere lassen sich „flötschen“ wie Blei, und diese hält man für die besten. Solche Goldkörner, die sich flötschen lassen, hat man am Schallerberg um Lengefeld in Brunnen und Bächen gefunden. Alle Bächlein an der Zschopau, die vom roten Haus auf den Stolzenhain in das Grenzwasser am Weinberg (Weipert) fallen, haben gediegene schwarze Goldkörner bei sich geführet, und die, so sich darauf verstanden, in kurzem reich gemacht. Im Grenzwasser Pila (Pöhla) hat man ebenfalls gute Goldkörner gefunden, die sich auch flötschen lassen, desgleichen im Bächlein Conduppel schwarze Körner, die man auf dem Amboss breit schlagen konnte. Im Preßnitzer Wasser haben die Alten gut Gold gewaschen, und hinter dem Spitzberge über Jöhstadt hat der Bach viel und gute Silberkörner gegeben und heißt noch davon der Silberbach. In allen Bächen zwischen Wolkenstein und Annaberg, die in die Zschopau fallen, hat man Granaten gefunden, in Farbe schwarz, braun und rot, als der beste Zusatz zum Gold, außerdem Amethysten und Körner, dem Eisenstein gleich und so gut als Rheinisch Gold. In Forellenbächen um Marienberg, Fernrückertswald und Glashütte haben die Alten gediegene Goldflietschen klein und groß gewaschen, die sich auch fletschen lassen. Daher auch die Forellen, die in solchen Goldbächen wachsen, Auratae genannt, von Gold, nicht eben ab aureolis maculis, dass sie goldfärbig wären, dieweil sie um Annaberg und Scheibenberg auch gemeiniglich mit schwarzen Sprenklein gefunden werden, sondern von goldführenden Bächlein, oder bei sich führendem Golde, wie andere wollen. Am Schwarzwasser und seinen Einfällen über und um Platten, Gottesgab und Breitenbrunn, in ihren Zinn-, Lauter- und Küheseifen von der Goldenen Höhe herein, werden noch bis jetzt Goldflietschen im Ausmagneten und Reinmachen des Zinnsteins in Federkielen gesammelt, und bisweilen seine Stüflein gediegenen Goldes gefunden, welche von Chymisten höher denn ander Gold gehalten werden. An der Schneeberger Mulde um Schneeberg, Auerbach, Dörrbach, Fletschmaul u. s. w. werden auch Goldflietschen gefunden, und bei Eibenstock hat in einer Seifen, der Goldbrunn genannt, ein Mann des Tages 1 1/2 Pfund Goldkörner waschen können, davon ein Pfund 14 bis 18 fl. gegolten. Dieser Goldreichtum war die Veranlassung, dass sich seit mehreren Jahrhunderten Ausländer einfanden, welche umher zogen und Gold in Flüssen und in der Erde aufsuchten, dasselbe mit sich nach Hause trugen, daselbst gut machten und sich dadurch großes Vermögen erwarben. Man nannte diese Leute Wahlen oder Venetianer, weil sie größtenteils aus Venedig her kamen, sie stammten aber auch aus Florenz, Veltlin, Wallis, Graubündten und aus Walheim bei Mecheln

in den Niederlanden. So haben zu Gablenz im Schönburgischen an einem Orte im Oberdorfe Venediger alle Jahre Goldkörner „ausgeküttet“, und nach Auffindung der Bergwerke zu Annaberg sind die Wahlen auch dahin gekommen und haben das reichhaltige Erz geschmolzen und auf eine bessere Art gut gemacht, als die dasigen Bergleute konnten. Man kennt von solchen Wahlen u. A. folgende mit Namen: Dr. Markus und M. Hieronymus von Venedig und Piger, Antonius von Florenz, Bastian Dersto von Venedig, Matz Nic. Schlascau, Adam und George Bauch, Christoph und Hanß, Friedrich und Barthel Fratres und Moses Hojung von Venedig, die sich von 1400 bis 1608 im Gebirge aufgehalten haben oder an Flüssen ertappt worden sind. Übrigens scheinen diese Leute sehr oft von guter Herkunft gewesen zu sein. Wahlen werden nach der Überlieferung auch als Gründer des Bergbaus im Vogtlande bezeichnet.

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