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747. Der Ritter von Bärenstein und der Löwe.

(Nach Peccenstein, Theatrum Sax. 1. S. 91 in Gräße, Sagenschatz d. K. S. No. 244.)


Der König von Ungarn Matthias ist den deutschen niemals sonderlich hold gewesen, also dass er sich mehrmals öffentlich hat vernehmen lassen, er wolle den Türken einen Pass durch sein Land vergünstigen, Deutschland zu überfallen. Gleichwohl hat er immer deutsches Volk an seinem Hofe gehabt und in seinen Kriegen gebraucht, und so ist denn auch ein Ritter von Bärenstein in seine Dienste gekommen. Nun trug es sich zu, dass der König einmal auf dem Schlosse zu Ofen spazieren ging, und wie er dabei an die Löwengrube kommt, so forderte er den von Bärenstein zu sich, befiehlt, dem Löwen Fleisch zuzuwerfen und redet darnach den von Bärenstein an, er solle doch, da er so kühn sei, den Löwen vom Fleische wegjagen. Wiewohl nun der Ritter leicht abnehmen konnte, wie solches gemeint sei und was ihm für Gefahr

Bevorsteht, wenn er es unternehmen wolle, so hat er doch, um allen Unglimpf zu verhüten und abzuwenden, sein Leben nicht zu sparen gedacht, seinen Mantel um den linken Arm gewickelt, das Schwert in die rechte Hand genommen und ist also in die Grube auf den Löwen Zugegangen. Wie dieser ihn ansichtig worden und sein unerschrockenes Gemüt gemerkt, hat er seiner nicht erwarten wollen (wie es denn die Natur dieses Tieres sein soll, dass es denen weicht, so es an Kühnheit übertreffen), und also hat der Ritter von Bärenstein das Fleisch genommen und dem König überbracht, nicht ohne dessen sowie des ganzen Hofes große Verwunderung. Ob nun wohl der König sich darauf ganz gnädig gegen ihn bezeigt, hat jener doch bald Abschied genommen und sich aus seinen Diensten begeben.

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